Bei uns reicht’s noch nicht mal für stabile 100 Mbit
Fast jedes Quartal ruft jemand von der Telekom-Hotline an und will unsere DSL-Leitung „noch schneller und stabiler“ machen. Das ist an sich schon ein bisschen seltsam, wenn man bedenkt, dass seit geraumer Zeit überall von der DSL-Abschaltung die Rede ist. Im Frühjahr kamen gleich zwei solche Anrufe – und am Ende dieser Geschichte stehen ein neuer Router, drei Techniker-Termine und ein Rabatt von 5 Euro im Monat.
Was dabei herauskam, hat mich dazu gebracht, mir die beiden großen Erzählungen rund um unser Festnetz mal genauer anzuschauen: die vom nahenden Ende des Kupfernetzes – und die vom Glasfaserausbau, der angeblich überall vorankommt.
Das Wichtigste in Kürze
- Trotz ständiger Werbeanrufe für schnellere Tarife bleibt am Ende oft weniger an Bandbreite übrig, als versprochen wurde
- Die „DSL-Abschaltung bis 2030“ ist kein Gesetz, sondern ein Diskussionspapier auf EU-Ebene – die Telekom spricht von keinen konkreten Plänen, weder bundesweit noch regional [2]
- Der Branchenverband BREKO nennt das feste Abschaltdatum sogar einen Mythos: Der Umstieg soll in drei geregelten Phasen erfolgen, ohne einen plötzlichen „Tag X“ [3]
- Ende 2024 hatten erst 47% der Haushalte einen Glasfaseranschluss, gleichzeitig gibt es noch rund 24 Millionen DSL-Kunden in Deutschland [2]
- Selbst wo Glasfaser verfügbar ist, nutzen es bislang nur rund 27% der Haushalte – Ausbau und tatsächliche Nutzung klaffen deutlich auseinander [5]
- Für dünn besiedelte Gebiete gibt es Förderprogramme für den Glasfaserausbau, aber die greifen nur, wenn eine Region als unterversorgt eingestuft wird [4]
Mein Frühjahr mit der Telekom-Hotline
Den Anfang machte ein Anruf mit dem Vorschlag, auf einen Hybrid-Router umzusteigen – ein Gerät, das an der DSL- bzw. VDSL-Leitung hängt und zusätzlich eine Mobilfunkkarte als Ergänzung nutzt. Für uns ergab das keinen Mehrwert: Wir hatten seit Jahren einen halbwegs stabilen 50-Mbit-Anschluss, und mehr Bandbreite über eine zusätzliche Mobilfunkverbindung war einfach kein Thema, das uns gefehlt hat. Also: nein danke.
Dann fiel die Leitung für ein paar Tage komplett aus. Die Empfehlung der Telekom danach: Wechsel auf den 100-Mbit-Vertrag. Der Preisunterschied war moderat, also haben wir zugestimmt – wieder musste ein Techniker kommen, um den Anschluss umzustellen. Als das Internet danach wieder lief, kamen von den versprochenen 100 Mbit nur etwa 65 Mbit an. Es folgten mehrere Telefonate und ein weiterer Techniker-Termin, dessen Ergebnis lautete: unsere Endgeräte seien veraltet.
Also gab’s eine neue Fritzbox mit aktuellem WLAN-Standard. Damit waren wir immerhin bei 75 Mbit – aber eben nicht bei den vereinbarten 100. Ein dritter Techniker brachte dann die eigentliche Erklärung: Die Kupferleitung zum Verteilerkasten ist alt und schlecht geschirmt, mehr ist über diese Leitung schlicht nicht drin. Nach einer Beschwerde bekommen wir seitdem einen Rabatt von 5 Euro im Monat – eine Art Trostpflaster für eine Leistung, die wir vertraglich eigentlich gebucht, aber nie vollständig bekommen haben.
Die DSL-Abschaltung, von der alle reden
Parallel dazu liest man ständig, das Kupfernetz stehe ohnehin kurz vor dem Ende. Tatsächlich kursiert seit einiger Zeit die Zahl 2030 als Abschaltdatum für DSL in Deutschland. Diese Zahl stammt allerdings aus einem Diskussionspapier der EU-Kommission – eine rechtliche Grundlage, die eine Abschaltung bis 2030 vorschreibt, gibt es in Deutschland nicht [2]. Die Bundesregierung wiederum hat sich, unabhängig davon, ihr eigenes Ziel gesetzt: dass Glasfaser bis 2030 flächendeckend verfügbar sein soll [1]. Zwei Zielmarken, zwei verschiedene Absender – und beide mit demselben Jahr. Eine Telekom-Sprecherin hat dazu klar gesagt: Es gebe gegenwärtig keine konkreten Pläne für eine Kupferabschaltung, weder bundesweit noch regional, und auch keine automatische Abschaltung, sobald in einem Haus Glasfaser verlegt ist [2].
Der Breitbandverband BREKO geht noch weiter und nennt die Vorstellung eines plötzlichen Abschalttermins einen Mythos. Ein Impulspapier der Bundesnetzagentur beschreibt den Übergang stattdessen in drei Phasen: zunächst eine freiwillige Migration, dann die Festlegung von Kündigungsbedingungen, und erst danach die tatsächliche Abschaltung – jeweils erst, wenn in einem Gebiet ausreichend Glasfaseranschlüsse vorhanden sind [3]. Die Zahlen dahinter erklären, warum das so vorsichtig formuliert wird: Ende 2024 lag die Glasfaserquote bei 47% der Haushalte, während noch rund 24 Millionen Anschlüsse klassisch über DSL laufen [2]. Von „Abschaltung“ sind wir, gemessen an diesen Zahlen, noch ziemlich weit entfernt – ganz unabhängig davon, was auf irgendwelchen Zeitleisten steht.
Glasfaser bei uns? Fehlanzeige
Glasfaser wurde uns ebenfalls schon mehrfach angeboten – allerdings nie für unsere Adresse, sondern immer für Nachbarorte oder benachbarte Straßenzüge. Der Grund ist simpel: Im Umkreis von 500 Metern gibt es bei uns vielleicht zehn Anschlüsse. Für ein Unternehmen, das eigenwirtschaftlich ausbaut, lohnt sich das schlicht nicht – es sei denn, wir würden die Verlegung komplett selbst bezahlen.
Genau für solche Fälle gibt es die Förderprogramme für „weiße“ und „graue Flecken“: Der Staat springt dort ein, wo sich privatwirtschaftlicher Ausbau nicht rechnet, also in dünn besiedelten Regionen mit langen Leitungswegen und wenig Kundschaft. Für 2025 standen dafür im Rahmen der Gigabit-Richtlinie 2.0 rund 1,2 Milliarden Euro bereit, für 2026 sind es schon rund 2,3 Milliarden Euro [4]. Das klingt nach viel – aber damit ein Gebiet überhaupt in den Genuss dieser Förderung kommt, muss es erst als unterversorgt eingestuft und in ein Förderverfahren aufgenommen werden. Bei zehn Anschlüssen im 500-Meter-Radius ist offenbar weder das eine noch das andere bisher passiert.
Zwei Wahrheiten gleichzeitig
Was die Statistik zum Glasfaserausbau noch interessanter macht: Mitte 2025 waren bundesweit bereits 52,8% der Haushalte „Homes Passed“ – Glasfaser liegt also bereits vor der Tür. Tatsächlich genutzt, also mit einem laufenden Vertrag, wird der Anschluss aber nur von rund 27,3% der Haushalte [5]. Ausbau und Nutzung sind also zwei getrennte Geschichten – und für uns ist beides bisher gleich weit weg: weder liegt die Leitung vor der Tür, noch gäbe es jemanden, der sie aktiv nutzen müsste, weil noch niemand sie gelegt hat.
So bleibt es bei uns vorerst bei der alten Kupferleitung, die „nur“ alt ist, nicht kaputt – mehr als 75 Mbit gibt sie eben einfach nicht her. Passt eigentlich ganz gut ins Bild: Bei uns stehen auch die Straßenlaternen noch auf Holzmasten. Manche Infrastruktur hält sich offenbar hartnäckiger, als jede Ankündigung verspricht.
Wie sieht’s bei dir aus?
Mich würde interessieren, ob du Ähnliches erlebst – bist du längst auf Glasfaser, oder wartest du wie wir auf einen Anschluss, der einfach nicht kommt? Und falls du auch öfter solche Anrufe bekommst: Was wurde dir zuletzt angeboten, und was kam am Ende tatsächlich an?
Quellen
- ↑ fonial: DSL-Abschaltung bis 2032? Glasfaser soll DSL ersetzen
- ↑ PC-WELT: So erfolgt die DSL-Abschaltung in Deutschland
- ↑ ComputerBase: Kein Tag X bei Kupferabschaltung – DSL-Ende 2030 ist ein Mythos
- ↑ logitel: Glasfaserausbau in Deutschland – Stand, Probleme & Ausblick
- ↑ GlasfaserVergleich2026: Glasfaserausbau Deutschland 2026 – aktuelle Zahlen, Anbieter & Tarife









Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!