Wie wir unseren EV-Roadtrip mit Škoda Enyaq, ABRP und KI digital planen
Wir fahren diesen September zu zweit – BonZai und ich – mit dem Škoda Enyaq 85 von Mönchengladbach an die Algarve. Rund 4.500 Kilometer, vier Länder, das Viadukt von Millau auf Hin- und Rückweg, sieben Nächte Golf in Alte. Klingt nach Abenteuer – und ist für uns vor allem ein digitales Planungsprojekt geworden.
Das Wichtigste in Kürze
- EV-Roadtrip zu zweit: Mönchengladbach → Alte (Algarve) → Mönchengladbach mit dem Škoda Enyaq 85, Abfahrt 11. September
- Route über Clermont-Ferrand, das Viadukt von Millau und Bilbao auf dem Hinweg, Rückweg über Millau, Lyon und die Schweiz
- Digitale Planung mit Claude, ABRP, Chargeprice, der MIIO-App und dem Bordcomputer Laura
- Mautbudget von rund 140 Euro je Richtung, dank weitgehend mautfreier A75
- Sieben Ladekarten für vier Länder, weil kein einzelner Anbieter alle Netze abdeckt
Vom Notizbuch zur KI-gestützten Reiseplanung
Früher haben wir Urlaubsrouten mit dem ADAC-Atlas geplant, dann kam Google Maps. Heute sitze ich mit Claude zusammen und rechne durch, welche Autobahn wie viel Maut kostet, ob der Mauttransponder auch in Portugal funktioniert und welcher Ladepark auf der A75 genau nach dem Viadukt liegt – damit Fotostopp und Ladepause zusammenfallen, während BonZai schon den nächsten Kaffee bestellt. Möglich macht das auch die wachsende Ladeinfrastruktur: Allein in Deutschland gibt es inzwischen mehr als 177.000 öffentliche Ladepunkte [1].
Was dabei entsteht, ist kein klassischer Reiseführer, sondern ein Planungsdokument, das Etappen, Ladestopps, Kartenzuordnungen, Mautbudget und Sprachbefehle für Laura in einem hält. Für uns als EV-Fahrer auf Langstrecke ist das der Unterschied zwischen entspanntem Fahren zu zweit und Reichweitenangst irgendwo in Extremadura. Gerade bei Detailfragen wie aktuellen Grenzwerten für Umweltzonen oder der Frage, ob ein bestimmter Ladepark noch existiert, ist die KI kein Ersatz für die eigene Recherche, sondern ein schneller erster Zugriff, den wir anschließend gegenprüfen.
Die Route – und warum sie nicht die kürzeste ist
Die kürzeste Route von Mönchengladbach zur Algarve läuft über Bordeaux. Wir fahren trotzdem nicht über Bordeaux, sondern über Clermont-Ferrand und die A75 durch das Zentralmassiv, über das Viadukt von Millau, weiter nach Bilbao für einen Ruhetag, dann die lange Etappe durch Spanien bis nach Alte. Auf dem Rückweg geht es wieder über Millau, diesmal von Burgos kommend, dann über Lyon, Genf und Basel nach Hause. Paris wird auf beiden Wegen konsequent umgangen.
Das ist keine Laune, sondern das Ergebnis mehrerer Planungsabende: Kilometer gegen Maut aufrechnen, Ladestopps einpassen, Etappenlängen auf neun Stunden deckeln, damit abends noch Lust auf die Stadt bleibt. Die A75 ist dabei der Schlüssel – sie verläuft fast durchgehend mautfrei durchs Zentralmassiv, nur am Viadukt von Millau wird mit rund 9 Euro eine eigene Gebühr fällig [2]. Am Ende stehen 4.510 Kilometer, rund 175 Euro Maut gesamt und geschätzte 350 Euro Strom – deutlich weniger, als ein vergleichbarer Verbrenner-Trip für zwei Personen kosten würde.
Laura kennt den Weg – meistens
Laura ist die KI-Sprachassistentin im Enyaq 85. Sie versteht 15 Sprachen, konsultiert bei komplexen Fragen ChatGPT und hat einen entscheidenden Vorteil: Wer eine Ladestation als Navigationsziel eingibt, löst automatisch die Akkuvorkonditionierung aus. Der Akku ist beim Ankommen optimal temperiert und lädt mit voller Leistung – weniger Wartezeit, mehr Zeit für den Kaffee.
Was Laura nicht kann: eine vorbereitete Multi-Etappen-Route übernehmen, sie nimmt nur einzelne Ziele entgegen. Deshalb läuft die Tagesplanung parallel: ABRP für die Ladelogik auf dem Display via Apple CarPlay, Laura für Head-up-Display und Stauumfahrung. Zwei Systeme, die sich ergänzen statt ersetzen – ähnlich wie wir zwei im Auto.
In Spanien und Portugal wird sich zeigen, wie zuverlässig die Spracherkennung mit den lokalen Ortsnamen zurechtkommt. Bei einem Kurztrip nach Belgien hat Laura schon einmal „Liège“ und „Lüttich“ verwechselt und uns kurzerhand auf die falsche Spur geschickt – seitdem tippen wir Ortsnamen bei Unsicherheit lieber ein, statt sie anzusagen.
ABRP – mächtiges Werkzeug mit Tücken
A Better Routeplanner gilt neben herstellereigenen Lösungen als eine der führenden dedizierten Routenplaner-Apps für Elektroautos, klar abgegrenzt von reinen Lade-Apps wie EnBW mobility+ oder PlugShare [3]. Die App verbindet sich mit mehr als 1.000 Fahrzeugmodellen und bezieht Höhenprofil, Bergpässe und aktuelles Wetter in die Reichweitenberechnung ein [4]. Das funktioniert auf der Langstrecke ausgezeichnet, wenn man weiß, wie man damit umgeht.
Was wir gelernt haben: ABRP optimiert standardmäßig auf Gesamtstrecke. Wer die Route über die A75 statt über die volle Mautstrecke will, muss das durch gezielte Wegpunkte erzwingen – Clermont-Ferrand und Millau als Anker, sonst rechnet die App schlicht die schnellste Route, und die kostet dann ein Vielfaches an Maut. Die Einstellung „Maut vermeiden“ in den Routenoptionen ist deshalb keine optionale Empfehlung, sondern Pflicht – einmalig gesetzt, dauerhaft gespeichert.
Ladekarten – je mehr, desto besser, aber gezielt
Für diesen Trip haben wir sieben Ladekarten dabei: Ionity, EnBW mobility+, EWE Go, MIIO, Electroverse, Easy Charging und UTA. Das klingt nach Overengineering, ist aber Realität auf einer 4.500-Kilometer-Tour durch vier Länder mit unterschiedlichen Netzen und Preisstrukturen – wie unterschiedlich die Tarife von Säule zu Säule ausfallen können, habe ich schon bei einem kürzeren Trip allein mit dem E-Auto gemerkt.
Die Arbeitsteilung: Ionity für alle Ionity-Stationen in Frankreich und Spanien, Electroverse für die Lücken in Extremadura, MIIO für Portugal, weil die App günstiger als jedes Roaming-Angebot ist und das gesamte MOBI.E-Netz freischaltet. Vor jedem Ladestopp wird kurz die günstigste Karte an der jeweiligen Säule geprüft – das spart auf 4.500 Kilometern schnell 40 bis 60 Euro. Wer generell wissen will, wie wir E-Auto-Reisen digital planen, findet in unserer Kategorie E-Mobilität weitere Erfahrungsberichte dazu.
Maut – Budget statt Vermeidung
Mautfreiheit um jeden Preis ist keine Strategie. Für Länder mit streckenabhängiger Maut wie Frankreich, Spanien und Portugal bieten sich elektronische Mautboxen an: Ein kleiner Transponder an der Windschutzscheibe öffnet die Schranke automatisch, die Gebühren werden bequem monatlich abgebucht [5]. Wir haben den Fulli Nomade bereits bestellt – er gilt in Frankreich, Spanien und Portugal und ist in wenigen Tagen im Briefkasten.
Unser Ansatz: 140 Euro Mautbudget je Richtung. Damit können wir in Frankreich vollständig auf der Autobahn fahren, wo es sinnvoll ist – die A75 mautfrei genießen, andere Abschnitte bezahlen, wo sie uns Zeit sparen. Spanien ist auf den Autovías ohnehin fast durchgängig mautfrei, Portugal seit Anfang 2025 sogar auf der A22 an der Algarve. Das Budget endet für den Hinweg bei rund 98 Euro, für den Rückweg bei 77 Euro – beide Male komfortabel unter der Grenze.
Was Planung wirklich bedeutet
Dieser Roadtrip ist fertig geplant, bevor er beginnt. Nicht im Sinne von starr durchgetaktet, sondern im Sinne von: Wir kennen die Ladestationen, wir kennen die Mautabschnitte, wir kennen die Alternativen, falls eine Ionity-Station voll ist. Laura kennt die Etappenziele, ABRP bekommt am Reisetag den aktuellen Akkustand und rechnet live nach.
Was früher Atlanten und Mautkarten-Sammlungen waren, ist heute eine Kombination aus KI-Assistent, spezialisierten Apps und einem gut konfigurierten Bordcomputer. Der Unterschied: Wir sind den Trip schon mehrfach virtuell gefahren, bevor wir am 11. September die Einfahrt verlassen. Das Viadukt von Millau sehen wir trotzdem zum ersten Mal – das plant kein Algorithmus.
Wie plant ihr eure E-Auto-Reisen?
Mich würde interessieren, ob andere EV-Fahrer:innen genauso viele Apps parallel nutzen oder ob es da draußen eine elegantere Lösung gibt, die ich noch nicht kenne. Nach der Rückkehr im Oktober berichte ich, was von der Planung tatsächlich aufgegangen ist – und was wir beim nächsten Mal anders machen würden.
Quellen
- ↑ emobility.energy: E-Auto-Reise planen – Die besten Tools & Tipps für stressfreies Laden (2026)
- ↑ Travel Information Europe: PKW Maut Frankreich 2026 – Preise, Liber-T + mautfreie Routen
- ↑ emobility.energy: Die besten Apps für’s E-Auto-Laden und Routenplanung 2026
- ↑ ABRP – A Better Routeplanner: Startseite
- ↑ suchwiesel.de: Der digitale Roadtrip-Planer – So digitalisierst du deine nächste Urlaubsreise
- stawi.de: Allein mit dem E-Auto unterwegs
- stawi.de: Kategorie E-Mobilität
Linkprüfung: 09.08.2026








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