Meine Reise durch die digitale Welt – Folge 13
In einem meiner letzten Beiträge habe ich darüber geschrieben, warum ich meine Blogs als „sicheren Hafen“ brauche. Ein wesentlicher Grund dafür ist die Vergiftung des digitalen Klimas auf Plattformen wie Facebook, Twitter, etc.. Doch wer vergiftet hier eigentlich wen? Während alle Parteien versuchen, im Netz Einfluss zu gewinnen, gibt es massive Unterschiede in der Art und Weise, wie sie das „Schaufenster“ Social Media nutzen.
Das digitale Schlachtfeld: Die Parteien im Vergleich
Um die Strategie der AfD zu verstehen, muss man sie ins Verhältnis setzen. Jede Partei hat ihren eigenen digitalen Fingerabdruck hinterlassen – besonders deutlich wurde dies während der Corona-Pandemie:
| Partei | Digitale Kernstrategie | Verhalten während Corona | Fokus & Wirkung |
| AfD | Polarisierung & Trigger: Nutzt den Algorithmus durch gezielte Wut-Botschaften. | Mobilisierung von Skeptikern; Narrativ der „Corona-Diktatur“. | Maximale Interaktion durch Spaltung. |
| SPD | Service & Aufklärung: Fokus auf Regierungsarbeit und klassische Mobilisierung. | Massive Infokampagnen zu Maßnahmen und Impfungen. | Sachlich, wirkt oft staatsnah und hölzern. [1] |
| CDU/CSU | Image & Vertrauen: Fokus auf Stabilität und staatstragende Botschaften. | „Wir bleiben zuhause“-Kampagnen; Fokus auf Sicherheit. | Traditionell, versucht Boden bei Jüngeren gutzumachen. [2] |
| Bündnis 90/Die Grünen | Werte-Community: Hohe organische Reichweite durch klare Themenbesetzung. | Fokus auf Solidarität und wissenschaftliche Fakten. | Starke Mobilisierung in der eigenen „Blase“. [3] |
| FDP | Personenkult & Freiheit:Hochglanz-Marketing, zentriert auf Christian Lindner. | Kritik an Freiheitseinschränkungen auf Basis von Grundrechten. | Professionell, grenzt sich scharf von der AfD ab. [4] |
| Die Linke | Gegen-Öffentlichkeit: Fokus auf soziale Gerechtigkeit und Umverteilung. | Thematisierung der sozialen Folgen (Kurzarbeit, Armut). | Kritisch gegenüber Konzernen, auch gegen Meta selbst. |
Der entscheidende Unterschied: Algorithmus-Knechtschaft vs. Marketing
Man muss fair bleiben: Keine Partei verzichtet auf Beeinflussung. Die SPD und CDU haben während der Pandemie Millionen in Infokampagnen gesteckt. Die FDP hat Social Media zum professionellen Hochglanz-Tool perfektioniert. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Während die etablierten Parteien versuchen, innerhalb der demokratischen Spielregeln zu kommunizieren, nutzt die AfD die Schwachstellen des Algorithmus aus.
Studien (u.a. der Oxford University [5]) zeigen, dass die AfD ein „Bottom-Up“-System nutzt: Sie triggert die Basis mit hochemotionalen Inhalten, damit diese die Beiträge massiv teilt. Das Ergebnis? Während ein sachlicher Post von Robert Habeck oder Friedrich Merz oft in der eigenen Blase bleibt, schießt ein Wut-Post der AfD durch die Decke. Der Algorithmus von Mark Zuckerberg liebt Empörung, denn Empörung hält die Nutzer länger auf der Plattform.
Corona als Brandbeschleuniger der Propaganda
Besonders perfide wurde diese Strategie zwischen 2020 und 2022. Die AfD vollzog einen strategischen Schwenk: Weg von der Migration, hin zur Mobilisierung von Corona-Skeptikern.
Die „Alternative Öffentlichkeit“: Facebook wurde genutzt, um eine Parallelwelt aufzubauen. Wissenschaftliche Fakten wurden durch hochemotionale Einzelschicksale oder aus dem Zusammenhang gerissene Statistiken ersetzt. [6]
Instrumentalisierung der Angst: Während die Menschen verunsichert waren, säte die AfD gezielt Zweifel an staatlichen Institutionen.
Microtargeting: Mit präzisen Werbeanzeigen wurden Menschen gezielt dort abgeholt, wo sie bereits skeptisch waren – ein digitaler Fangschuss für Verschwörungserzählungen. [7]
Meine Ansicht
Die Analyse zeigt deutlich: Die AfD ist der „First Mover“ der digitalen Propaganda in Deutschland. Sie nutzt die Mechanismen der Plattformen nicht nur für Marketing, sondern für die gezielte Zersetzung des Diskurses. Corona war hierbei nur ein Testfeld.
Wer sich ausschließlich in diesen Netzwerken informiert, begibt sich in eine Abhängigkeit von Algorithmen, die Hass profitabler finden als die Wahrheit. Meine Blogs bleiben deshalb mein eigener, unabhängiger Raum – ohne Algorithmus-Diktat und ohne die Manipulation durch politische Brandstifter.
Quellen & Fußnoten:
- [1] Universität Düsseldorf (mip): Struktureller Wandel der politischen Kommunikation – Analyse der Regierungskommunikation
- [2] Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): Die digitale Professionalisierung der politischen Kommunikation – Strategien der Volksparteien
- [3] CORRECTIV: Fakten-Check-Archiv zur Bekämpfung von Desinformation in sozialen Netzwerken
- [4] Landeszentrale für politische Bildung BW: Digitaler Wahlkampf in Zeiten von Corona
- [5] Oxford Internet Institute (OII): Computational Propaganda Project – Junk News and Algorithm Manipulation on Facebook
- [6] Universität Hohenheim / WZB: Populismus, Krise und politische Mobilisierung – Wie die AfD den Diskurs in der Krise steuert
- [7] Reset.tech: Desinformation in Sozialen Medien – Bericht zur Bundestagswahl und Corona-Zeit
Quellen-Check auf „Rechte Tendenzen“
Die genutzten Quellen sind wissenschaftlich und institutionell fest verankert. Hier die Fakten zur Einordnung:
Universität Düsseldorf (mip) & Universität Hohenheim:
Klassische staatliche Forschungseinrichtungen. Sie unterliegen strengen wissenschaftlichen Standards und werden durch öffentliche Mittel finanziert. Es gibt keinerlei Hinweise auf eine Unterwanderung durch rechte oder populistische Tendenzen; im Gegenteil, sie erforschen diese Strukturen kritisch.
bpb (Bundeszentrale für politische Bildung):
Als Institution des Bundesministeriums des Innern ist sie gesetzlich zur staatlichen Neutralität verpflichtet. Sie bietet ein breites Spektrum an, wird aber oft gerade von rechten Gruppierungen für ihre „demokratiefördernde“ Ausrichtung kritisiert.
Oxford Internet Institute:
Ein globales Aushängeschild der Oxford University. Es gilt als eine der objektivsten Quellen weltweit für die Analyse von digitaler Propaganda.
Reset.tech / SNV:
Diese Organisationen sind bürgerrechtlich und technologiekritisch geprägt. Ihr Ziel ist der Schutz des Nutzers vor der Macht der großen Konzerne.
Fazit:
Die Quellen sind sicher. Sie sind nicht Teil des „politischen Kampfes“, sondern dessen Beobachter.
Eingetaucht in die Social-Media-Maschinerie
Die Mechanik der Manipulation: Warum Emotionen Fakten schlagen
Es wäre zu kurz gegriffen, nur von „gutem“ oder „schlechtem“ Marketing der Parteien zu sprechen. Die Forschung zeigt, dass hier eine tieferliegende psychologische Mechanik greift, die durch die Plattformbetreiber erst ermöglicht – und finanziell belohnt – wird.
1. Der Wut-Koeffizient: Das Geschäftsmodell der Empörung
Interne Dokumente der Facebook-Whistleblowerin Frances Haugen enthüllten eine erschreckende Wahrheit: Der Algorithmus hat das „Wut-Emoji“ (😡) zeitweise fünfmal stärker gewichtet als ein einfaches „Gefällt mir“. [8] Die Logik dahinter ist rein ökonomisch:
- Interaktion: Wer wütend ist, tippt längere Kommentare und teilt Beiträge häufiger.
- Verweildauer: Emotionale Erregung fesselt uns an den Bildschirm. Für den Meta-Konzern bedeutet das schlicht mehr Werbeeinnahmen. Mark Zuckerberg hat damit eine Infrastruktur geschaffen, in der „Brandstiftung“ profitabler ist als Brandschutz.
2. Affektive Polarisierung: Wenn aus Gegnern Feinde werden
Wissenschaftlich spricht man von affektiver Polarisierung. [9] Es geht in den sozialen Medien kaum noch um Sachfragen (z. B. „Welche Impfstrategie ist sinnvoll?“), sondern um die soziale Identität: „Gehöre ich zu den ‚Guten‘ oder zu den ‚Anderen‘?“
- Der psychologische Hack: Unser Gehirn reagiert auf Bedrohungssignale (Angst, Wut) wesentlich schneller als auf komplexe Fakten.
- Die Strategie: Parteien wie die AfD nutzen dies systematisch aus, indem sie politische Gegner nicht als Menschen mit anderer Meinung, sondern als existenzielle Bedrohung (z. B. „Corona-Diktatur“) darstellen. In diesem emotionalen Alarmzustand schaltet unser rationales Denken ab – und der Algorithmus sorgt dafür, dass wir in dieser „Alarm-Blase“ bleiben.
3. Meta & Zuckerberg: Profit durch Spaltung
Hier müssen wir die Plattformbetreiber in die Pflicht nehmen. Obwohl Meta interne Studien vorlagen, die zeigten, dass ihre Algorithmen die psychische Gesundheit und den gesellschaftlichen Zusammenhalt schädigen können, wurden Korrekturen oft nur zögerlich oder unter massivem öffentlichem Druck umgesetzt. [10] Solange Spaltung für die Aktionäre profitabel ist, wird sich an der Grundarchitektur von Facebook und Instagram wenig ändern.
Quellen zur Vertiefung:
- [8] Netzpolitik.org: Analysen und Hintergründe zu den Facebook-Files
- [9] Hans-Bredow-Institut (Leibniz-Institut für Medienforschung): Forschungsprojekt: Polarisierte Öffentlichkeiten?
- [10] Tagesschau (Archiv): Video-Bericht: Whistleblowerin Frances Haugen packt aus
- [11] Bertelsmann Stiftung / SNV: Studie: Wie Algorithmen die Meinungsbildung strukturieren (PDF)
Mein persönliches Fazit: Warum ich mich zurückziehe
Die Auseinandersetzung mit der „Social-Media-Maschinerie“ zeigt: Wir bewegen uns dort nicht in einem freien Raum, sondern in einem System, das von unseren Emotionen lebt. Dass Wut mehr zählt als Wahrheit, ist kein technischer Fehler – es ist das Geschäftsmodell.
Meine Konsequenz ist eindeutig: Ich lasse mein Denken nicht länger von Algorithmen „hacken“, die auf Spaltung programmiert sind.
Warum ich mich auf meine eigenen Blogs fokussiere:
-
- Identität statt Plattform: Dieser Blog ist kein bloßes digitales Grundstück – er ist Teil meiner Persönlichkeit und meiner Art zu denken. Hier bestimme ich die Regeln, nicht ein Konzern.
- Tiefe statt Trigger: Ich tausche die laute, manipulative Arena gegen einen Ort des ehrlichen Dialogs, an dem Argumente mehr zählen als Emojis.
- Digitale Freiheit: Der Rückzug ist kein Verstummen. Es ist die Entscheidung für Unabhängigkeit und gegen die algorithmische Fremdbestimmung.
Mein Platz im Netz mag kleiner sein als die großen Netzwerke, aber er ist authentisch, unabhängig und spiegelt mein echtes Denken wider.
Was denkst du?
Hast du bei dir selbst schon einmal beobachtet, wie die Mechanik der Netzwerke dein Gefühl oder deine Meinung beeinflusst? Ist es in einer Welt der Algorithmen überhaupt noch möglich, neutral informiert zu bleiben? Ich freue mich auf einen ehrlichen Austausch hier in den Kommentaren – ganz ohne Algorithmus-Diktat.






Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!