– und warum Hello Fresh für mich ein Flop war

Ich koche nicht gerne. Das war schon vor Corona so, und es ist auch jetzt noch so. Punkt. Mein Mann Sascha hat gekocht, ich habe mich ums Spülen und Putzen gekümmert. Das war unsere Arbeitsteilung seit Jahren, und sie funktionierte verdammt gut. Ich hatte meine Aufgaben, er hatte seine. Keine Diskussionen, keine Experimente, keine „lass mich auch mal ein neues Rezept ausprobieren“-Momente. Einfach nur: Sascha kocht, ich kümmere mich um den Rest. So war das.

Dann kam Corona.


Das Wichtigste in Kürze

  • Die Situation: Sascha im Gesundheitswesen, ich als Niederlassungsleiter in der Gebäudereinigung – beide maximal belastet. Jeden Tag. Corona eben.
  • Der Moment: Eines Tages sagt Sascha: „Ich habe keinen Bock mehr zu kochen. Jeden Tag was einfallen lassen – das nervt.“
  • Sein Frust: Nicht Burnout. Nur legitimer Frust. Aber genug für eine Entscheidung.
  • Die Lösung: Hello Fresh. Ein Paket pro Woche mit Zutaten und bebilderten Anleitungen auf Papier.
  • Die Realität: Anfangs funktioniert es. Dann nicht mehr. Qualität, Müll, Preis – alles ein Desaster.

Der Frust ist legitim

Mal ehrlich: Es war 2020, irgendwann im Lockdown. Sascha arbeitet im Gesundheitswesen – überbelastet, übermüdet, jeden Tag mit Angst und Verantwortung. Ich bin Niederlassungsleiter in der Gebäudereinigung – und Corona bedeutet für mich Desinfektionseinsätze, angespannte Teams, ständig neue Auflagen, die ich umsetzen muss. Wir kommen beide nach Hause und sind fertig. Nicht „müde“. Sondern wirklich fertig. Keine Energie. Keine Geduld. Nur noch das Gefühl, dass alles zu viel ist.

Und dann steht die Frage: Was kochen wir heute?

Für Sascha war das der Punkt, wo es reicht. Nicht wegen großer Drama. Nur: Jeden Abend überlegen müssen, was man kocht. Was man einkaufen muss. Wie lange es dauert. Ob die Zutaten noch da sind. Das nervt. Das nervt, wenn man vorher schon am Ende seiner Kräfte ist. „Ich habe keinen Bock mehr zu kochen,“ sagte er eines Tages. „Jeden Tag was einfallen lassen – das nervt.“ Und wissen Sie was? Er hatte recht.

Das Problem: Ich koche nicht. Ich habe das einfach nie gelernt, weil es Sascha’s Job war. Meine Stärken waren Spülen und Putzen. Darin bin ich gut. Aber kochen? Das war immer sein Ding. Jetzt brauchte ich plötzlich eine Lösung.


Hello Fresh: Die hoffnungsvolle Idee

Dann hörte ich von Hello Fresh[1]. Das Konzept klang zu gut, um wahr zu sein: Ein Paket pro Woche. Darin sind die Zutaten für X Tage, bereits portioniert. Du öffnest es, folgst einer bebilderten Anleitung auf Papier, und fertig ist das Essen. Keine komplizierten Rezepte. Keine Entscheidungslastigkeit. Keine Frage nach „Was kochen wir heute?“ Die Antwort liegt bereits im Paket. Für jemanden, der gar nicht kochen kann und es eigentlich auch nicht toll findet, klang das wie die Lösung. Eine Anleitung. Schritt für Schritt. Ich folge einfach.

Wir bestellten Hello Fresh.


Das erste Paket funktioniert

Das erste Paket kommt an. Ich öffne es. Alles ist da. Die Zutaten sind portioniert, die Anleitung liegt auf Papier mit Bildern. Ich fange an zu kochen. Es ist… eigentlich ganz okay? Hand aufs Herz: Es sah auf den Bildern besser aus als bei mir auf dem Teller. Aber es schmeckte. Es funktionierte. Und vor allem: Sascha war entlastet vom Kochen-Stress. Das war das Wichtigste. Das lief ganz gut. Eine Zeitlang.

Aber dann wurde es kompliziert.


Die Qualität sackt ab

Nach ein paar Wochen merkte ich: Die Qualität ist nicht so, wie sie am Anfang war. Zutaten, die ich erwartete, waren schlechter. Fleisch, das nicht frisch aussah. Gemüse, das bereits welk war. Nicht immer, aber regelmäßig genug, dass es mir auffiel. Und mal ehrlich: Wenn du für ein „Premium-Meal-Kit“ zahlst, erwartest du auch Premium-Qualität. Das war einfach nicht der Fall.


Der Müll-Wahnsinn

Und dann war da noch das Müll-Problem. Das Paket kommt in einer großen Schachtel, die Schachtel ist mit Plastik gefüttert, und die Zutaten? Jede Zutat ist einzeln verpackt. Jede. Für ein Gericht mit fünf Zutaten produziere ich fünf einzelne Plastikpackungen Müll. Pro Paket. Pro Woche. Das hat mich gestört. Wirklich gestört. In einer Zeit, in der wir versuchen, bewusster zu leben – und Corona zeigt dir ja, dass Ressourcen kostbar sind – fühlt sich das wie pure Verschwendung an.


Preis-Leistung: Das Rechnen lohnt sich nicht

Die Preise sind nicht schlecht. Auf den ersten Blick. Aber wenn ich später anfing, die gleichen Gerichte selbst einzukaufen und zu kochen, merkte ich schnell: Ich zahle bei Hello Fresh einen Aufschlag. Für die Portionierung. Für die Anleitung. Für den Service. In Corona-Zeiten, als Geld knapp war, war das ein Punkt. Dazu kam: Wenn eine Zutat schlechter Qualität war, habe ich sie trotzdem bezahlt. Das war frustrierend.


Irgendwann reicht es

Irgendwann sagten wir: Stopp. Das funktioniert so nicht. Wir reduzierten Hello Fresh. Wir versuchten uns mit normalem Einkaufen. Aber das war blöd. Wirklich blöd. Ich kenne mich nicht aus. Ich weiß nicht, wie lange Gemüse hält. Ich weiß nicht, welche Fleischstücke zu welchen Gerichten passen. Und ohne Anleitung? Vergiss es. Ich stand im Supermarkt und dachte mir: „Okay, jetzt habe ich alle Zutaten. Aber wie kombiniere ich die? Wie viel Gewürz? Wie lange garen?“ Ohne visuelle Anleitung war ich verloren.


Was Corona mir beigebracht hat

Corona hat mich zum Kochen gezwungen. Nicht, weil ich es wollte. Sondern weil Sascha Frust hatte und ich die Alternative war. Und ja, ich habe es gelernt. Irgendwie. Mit Hello Fresh. Mit Fehlern. Mit Gerichten, die nicht so aussahen wie auf den Bildern. Aber ich habe es gelernt.

Das ist die eine Seite. Die andere Seite: Hello Fresh war für unsere Situation die richtige Lösung – aber nicht die perfekte. Und langfristig nicht nachhaltig.


Wie es nach Corona weiterging

Das ist eine andere Geschichte. Und die erzähle ich ein andermal.


Deine Frage

Hast du auch schon was gelernt, das du eigentlich gar nicht lernen wolltest? Corona hat bei vielen von uns Dinge erzwungen, die wir sonst nie getan hätten.

Schreib mir – ich bin neugierig.


Quellen

[1] Hello Fresh – Das Meal-Kit Service
Hello Fresh ist ein Lieferdienst für Kochboxen mit vorportioniert Zutaten und Rezeptanleitungen. Das Konzept war während Corona eine beliebte Lösung für Menschen, die keine Lust hatten, täglich zu überlegen, was sie kochen sollen.
URL: https://www.hellofresh.de/
Land: DE | Stand: 2026

[2] Meal Kit Dienste in Deutschland – Übersicht und Vergleich
Ein Überblick über verschiedene Meal-Kit-Dienste in Deutschland und ihre Vor- und Nachteile, insbesondere während der Corona-Pandemie als Alternative zu klassischem Einkaufen und Kochen.
URL: https://www.test.de/ (Stiftung Warentest)
Land: DE | Stand: 2020–2026

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