Clean Desktop March – geschafft! Und was dann?
März ist fast vorbei. Zeit für eine ehrliche Bestandsaufnahme.
Was habe ich in den letzten Wochen geschafft? Wo stehe ich jetzt? Und – ganz wichtig – was passiert eigentlich mit all dem, wenn ich irgendwann nicht mehr selbst darauf zugreifen kann?
Denn bei all dem Aufräumen ist mir eine Frage immer wieder gekommen: Ich habe jetzt Ordnung. Ich habe ein System. Ich habe 100+ Passwörter im Manager.
Aber wer kommt da eigentlich ran, wenn ich nicht mehr kann?
Das Wichtigste in Kürze
Teil 1 – März-Bilanz: Clean Desktop seit 3 Wochen (Rekord!). Passwortmanager läuft. 99_TMP-Ordner funktioniert. Nicht alles perfekt – aber 80% besser als vorher.
Teil 2 – Digitaler Nachlass: Was passiert mit Facebook, Google, Apple-ID, Passwortmanager, Blogs, MySQL-Datenbanken, wenn ich nicht mehr kann? Google Inaktivitätsmanager, Apple Nachlasskontakt, Facebook Gedenkzustand – kleine Funktionen, große Wirkung.
Die Erkenntnis: Digitale Ordnung ist nicht nur für mich. Sondern auch für die, die danach kommen.
Teil 1: März-Bilanz – Was habe ich geschafft?
✅ Was läuft
Clean Desktop seit 3 Wochen. Das ist tatsächlich ein Rekord. Früher war nach fünf Tagen Schluss. Heute schaffe ich drei Wochen. Es klappt ja wirklich der Clean Desktop March.
Passwortmanager läuft. Dashlane macht, was er soll. Ich kenne keines meiner Passwörter mehr. Und das fühlt sich gut an.
99_TMP-Ordner funktioniert. Alles, was ich nicht sofort zuordnen kann, landet da. Einmal die Woche durchgehen. Was älter als 6 Monate ist? Weg. Einfach, aber effektiv.
Messenger aufgeräumt. 4 GB weniger auf dem iPhone. WhatsApp-Gruppen stumm geschaltet. Alte Chats archiviert.
iPhone & iCloud: 20 GB eingespart. Von 15.000 Fotos auf 1.500 reduziert. Neue Routine: Abends schauen, was man fotografiert hat – überflüssiges direkt löschen.
Abos geprüft. 400 € im Jahr gespart. Dropbox auf kostenlos runter. Streaming-Dienste rotieren statt parallel laufen.
Papierlos glücklich. Scanner-App auf dem iPhone reicht. Der letzte Drucker ist seit 2 Jahren weg. Ordner im Schrank werden weniger.
⏸️ Was noch läuft (aber nicht perfekt)
E-Mail-Postfach. Ich bin bei 500 Mails. Früher waren es 2.000. Das Ziel „Inbox Zero“ ist nah.
Cloud & Backup. ChronoSync läuft automatisch. Time Machine macht, was es soll. Aber die alte Festplatte mit Backups von 2014? Die liegt noch irgendwo rum. Genauso wie die DVD-ROMs aus 2010, 2011 etc.
Smartphone-Apps. Ich habe gefühlt 100 Apps deinstalliert. Aber irgendwie kommen immer wieder neue dazu.
❌ Was noch nicht läuft
Alte Accounts löschen. Ich habe noch Accounts von Foren aus 2008. Die müssten eigentlich weg. Aber ich komme nicht dazu. Besser gesagt, ich bringe es nicht über das Herz.
Browser-Lesezeichen. 300+ Lesezeichen. Die Hälfte davon ist tot (404). Aber ich räume sie nicht auf. Ich denke, ich werde mal einige Ordner einkalt löschen. Es gibt Suchmaschinen.
Mein Fazit nach einem Monat
Ich bin nicht perfekt. Aber ich bin besser als vorher und arbeite weiter daran.
Und das reicht.
80% digitale Ordnung ist besser als 0%.
Teil 2: Digitaler Nachlass – Was passiert mit all dem?
Bei all dem Aufräumen kam mir ein Gedanke, der mich nicht mehr losgelassen hat.
(Hinweis: Anfang März habe ich bereits ausführlich über den digitalen Nachlass geschrieben. Dieser Abschnitt vertieft das Thema und zeigt, was ich konkret umgesetzt habe.)
Ich habe jetzt:
- 100+ Passwörter im Passwortmanager
- Drei Blogs mit jeweils eigener MySQL-Datenbank
- iCloud mit 15.000 Fotos
- Google-Konto mit 10 Jahren E-Mails
- Facebook, Instagram, LinkedIn
- Banking, Versicherungen, Verträge
Und dann die Frage:
Was passiert damit, wenn ich irgendwann nicht mehr selbst darauf zugreifen kann?
Das Problem
Digitale Daten sind vererbbar. Das hat der Bundesgerichtshof 2018 entschieden.
Aber: Die meisten Anbieter machen es Erben nicht leicht.
Ohne Zugangsdaten? Kein Zugriff. Ohne Erbschein? Keine Auskunft. Ohne Testament? Chaos.
Und dann gibt’s noch das Problem mit dem Gedenkzustand.
Facebook-Gedenkzustand: Das Profil wird mit „In Erinnerung an“ markiert. Aber: Login nicht mehr möglich. Auch nicht für Erben. Private Nachrichten bleiben privat – für immer.
Google-Inaktivitätsmanager: Nach X Monaten Inaktivität werden benannte Personen benachrichtigt. Aber nur, wenn du das vorher eingestellt hast.
Apple-Nachlasskontakt: Seit iOS 15 kannst du einen Nachlasskontakt benennen. Der bekommt nach deinem Tod Zugriff auf iCloud-Daten. Aber auch hier: Nur wenn du es vorher eingerichtet hast.
Die Lösung: Vorsorge
Ich habe mir überlegt, was ich konkret tun kann. Hier ist mein Plan:
1. Google Inaktivitätsmanager einrichten
Google bietet die Möglichkeit, bis zu 10 Nachlassverwalter zu benennen. Diese erhalten nach einer bestimmten Zeit der Inaktivität (3, 6, 12 oder 18 Monate) Zugriff auf ausgewählte Google-Dienste.
Was ich eingestellt habe:
- 6 Monate Inaktivität
- 1 Vertrauenspersonen benannt
- Gmail, Google Fotos, Google Drive freigegeben
- Konto nach Datenexport löschen
Wo? Google-Konto → Daten & Datenschutz → „Pläne für Ihr Konto erstellen“
2. Apple Nachlasskontakt festlegen
Seit iOS 15.2 kann man einen Nachlasskontakt benennen. Dieser bekommt nach dem Tod Zugriff auf iCloud-Daten: Fotos, Notizen, Dateien, Backups, Kalender.
Wichtig: Der Nachlasskontakt bekommt KEINEN Zugriff auf Passwörter im iCloud-Schlüsselbund. Dafür braucht es den Passwortmanager-Notfallzugang.
Wo? iPhone → Einstellungen → [Dein Name] → Passwort & Sicherheit → Nachlasskontakt
3. Facebook: Nachlasskontakt oder Löschung
Facebook bietet zwei Optionen:
- Gedenkzustand: Profil bleibt bestehen mit „In Erinnerung an“. Ein Nachlasskontakt kann Beiträge posten, Profilbild ändern. ABER: Kein Zugriff auf private Nachrichten!
- Löschung: Konto wird nach dem Tod komplett gelöscht.
Ich habe mich für Löschung entschieden. Was weg ist, ist weg.
Wo? Facebook → Einstellungen → Einstellungen für den Gedenkzustand
4. Passwortmanager: Notfallzugang
Dashlane, 1Password und Bitwarden bieten alle einen Notfallzugang für Vertrauenspersonen.
Wie es funktioniert:
- Du benennst eine Vertrauensperson
- Diese Person beantragt Zugriff
- Nach einer Wartezeit (z.B. 7 Tage) erhält sie Zugang
- Du kannst den Zugriff jederzeit ablehnen (wenn du noch lebst)
Ich habe meinen Notfallzugang eingerichtet. Wartezeit: 14 Tage.
5. Testament: Digitalen Nachlass erwähnen
Im Testament habe ich einen Satz ergänzt:
„Mein digitaler Nachlass (Online-Konten, Zugangsdaten, digitale Inhalte) soll nach den hinterlegten Anweisungen bei [Name der Vertrauensperson] umgesetzt werden. Diese Person ist bevollmächtigt, mit Anbietern zu kommunizieren.“
Das ist kein Misstrauen. Das ist Fürsorge.
6. Liste mit Accounts + Anweisungen
Ich habe eine einfache Liste erstellt:
- E-Mail-Hauptkonto
- E-Mail Werbungkonto (Gmail) → Google Inaktivitätsmanager
- iCloud → Apple Nachlasskontakt
- Facebook → Löschen
- Instagram → Löschen
- LinkedIn → Gedenkzustand
- Blogs (stawi.de, stawi.net, partyschnitzel.de) → Weiterführen oder komplett löschen (inkl. MySQL-Datenbanken)
- Passwortmanager → Notfallzugang
- Streaming-Dienste → Kündigen
- Bankkonten → Abwickeln
Diese Liste liegt an zwei Orten:
- Im Passwortmanager (verschlüsselt)
- Bei meinen wichtigen Dokumenten (analog)
Was ich NICHT gemacht habe
Passwörter im Testament hinterlegen. Ein Testament wird eröffnet, kopiert und allen Erben zugeschickt. Dann hätte jeder Zugriff auf alles. Deshalb: Passwörter gehören NICHT ins Testament.
Alles sofort löschen lassen. Manche Daten sind wertvoll. Fotos, E-Mails, Blogbeiträge. Die sollen nicht einfach verschwinden. Deshalb: Vertrauensperson entscheiden lassen.
Externe Firmen beauftragen. Es gibt Dienste, die sich gegen Geld um den digitalen Nachlass kümmern. Die Verbraucherzentrale rät davon ab: Hohe Kosten, Zugriff auf persönliche Daten.
Mein Fazit zum digitalen Nachlass
Es ist ein komisches Gefühl, sich mit dem eigenen Tod zu beschäftigen.
Aber es ist auch beruhigend.
Ich weiß jetzt, dass mir vertraute Personen Zugriff auf das Wichtige hat. Dass meine Accounts nicht ewig weiterlaufen. Dass meine Fotos nicht verloren gehen.
Und das Beste: Es hat nur zwei Stunden gedauert.
Google Inaktivitätsmanager? 15 Minuten. Apple Nachlasskontakt? 5 Minuten. Facebook Gedenkzustand? 2 Minuten. Passwortmanager-Notfallzugang? 10 Minuten. Liste erstellen? 1 Stunde.
Zwei Stunden. Für jahrelange Sicherheit.
März-Bilanz: Was bleibt?
Der März war gut. Nicht perfekt, aber gut.
Ich habe:
- Clean Desktop seit 3 Wochen
- 100+ Passwörter im Manager
- 4 GB auf dem iPhone frei
- 400 € im Jahr gespart
- Meinen digitalen Nachlass geregelt
Und ich habe gelernt: Digitale Ordnung ist kein Projekt. Es ist eine Gewohnheit.
Jetzt kommt der April. Mit neuen Themen: Riga, Geburtstag, Haus-Projekte und was mir noch so einfällt.
Aber die digitale Ordnung? Die bleibt.
Weil ich jetzt ein System habe. Weil ich weiß, wie es geht. Und weil ich dranbleibe.
Und du?
Wie sieht deine März-Bilanz aus? Hast du auch aufgeräumt – oder steht das noch auf der Liste?
Hast du schon deinen digitalen Nachlass geregelt? Google Inaktivitätsmanager eingerichtet? Apple Nachlasskontakt festgelegt?
Oder bist du noch am Anfang und fragst dich: „Wo fange ich überhaupt an?“
Ich freue mich über deine Erfahrungen, Fragen oder auch ehrliche „Bei mir sieht’s noch chaotisch aus“-Beichten in den Kommentaren!
Dankeschön fürs Lesen – und viel Erfolg beim Dranbleiben!
Quellen
[1] Bestattungshaus Schlage – Digitaler Nachlass
Plattform-spezifische Funktionen nutzen: Google Inaktivität-Manager, Apple Nachlasskontakt, Facebook Nachlasskontakt zur Regelung des digitalen Erbes. Bevollmächtigte Person bestimmen, schriftliche Vollmacht „über den Tod hinaus“ erteilen. Passwortmanager nutzen: Nur Masterpasswort an bevollmächtigte Person weitergeben. Facebook Gedenkzustand: Profil mit „In Erinnerung an“, kein Login mehr möglich, Inhalte bleiben sichtbar. Nachlasskontakt kann Änderungen vornehmen.
URL: https://bestattungshaus-schlage.de/digitaler-nachlass-was-passiert-mit-social-media-profilen-und-digitalen-daten-nach-dem-tod/
Land: DE | Stand: 17. Juli 2025
↩
[2] Ratgeber Erbengemeinschaft – Digitaler Nachlass
Google Inaktivitätsmanager: Nach 6 Monaten Inaktivität erhält benannte Person Zugriff auf Fotos und Mails. Kurze Fristen einstellen, regelmäßig prüfen. Facebook/Instagram: Nachlasskontakt für Gedenkstatus, kein Passwortzugang. LinkedIn/TikTok: Gedenkstatus oder Löschung auf Antrag. WhatsApp löscht sich nach Inaktivität automatisch. BGH-Urteil 2018: Eltern stritten Zugang zum Facebook-Account ihrer Tochter an – galten als Erben.
URL: https://www.ratgeber-erbengemeinschaft.de/erbrecht/digitaler-nachlass/
Land: DE | Stand: 8. Oktober 2025
↩
[3] Anwalt.org – Digitaler Nachlass
BGH-Urteil 12.07.2018: Facebook muss Mutter Zugang zum Konto ihrer verstorbenen Tochter gewähren. Digitale Inhalte sind wie Tagebuch vererbbar. Facebook Gedenkzustand: Anmeldung nicht mehr möglich, Zugriff bleibt auch Erben verwehrt. Google Inactive Account Manager: Nutzer können Personen bestimmen, die bei Inaktivität Zugriff erhalten. Digitaler Nachlass sollte frühzeitig geordnet werden. Liste aller Konten erstellen.
URL: https://www.anwalt.org/digitaler-nachlass/
Land: DE | Stand: 19. Januar 2026
↩
[4] ARAG – Wer erbt eigentlich mein Facebook?
Bundesgerichtshof: Digitale Konten wie Facebook-Profile oder E-Mail-Adressen gehören zum Nachlass und fallen an Erben. Übersicht aller Konten und Dienste erstellen. Passwörter sicher hinterlegen (Safe, verschlüsselter USB-Stick, Passwort-Manager). Nutzer können festlegen, ob Profile gelöscht oder in Gedenkzustand versetzt werden. Facebook-Nachlasskontakt kann Profil mit eingeschränkten Rechten verwalten. Testament schreiben, digitalen Nachlass ordnen.
URL: https://www.arag.de/rechtsschutzversicherung/erb-rechtsschutz/digitaler-nachlass/
Land: DE | Stand: 26. Oktober 2021
↩
[5] T-Online – Facebook, Google & Co.: Digitalen Nachlass regeln
Google bietet bis zu 10 Nachlassverwalter. Diese erhalten nach Inaktivität Benachrichtigung und Option, Kontodaten ausgewählter Accounts herunterzuladen. Alternativ: Account löschen. Vollmacht schreiben mit detaillierten Anweisungen (Verträge kündigen, Daten löschen). Listen über Kontoaktivität mit Passwörtern anfertigen, sicher hinterlegen. NICHT in Testament: wird eröffnet, kopiert, allen Erben zugeschickt. Verbraucherzentrale rät von Firmen ab: Kosten, Zugriff auf persönliche Daten.
URL: https://www.t-online.de/digital/internet/id_83970366/facebook-google-co-so-regeln-sie-ihren-digitalen-nachlass-.html
Land: DE | Stand: 22. November 2019
↩









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