Meine 7 größten Learnings aus der Praxis
Dem einen oder anderen ist es vielleicht bekannt: Ich arbeite seit gut zwei Jahren intensiv mit KI. Anfangs dachte ich noch: „Das habe ich schnell verstanden.“ Ein paar beeindruckende Texte später fühlte ich mich wie ein Profi. Heute muss ich schmunzeln über diese Selbstüberschätzung.
Das war nämlich mein erster und größter KI-Fehler. KI ist kein Wundermittel, das auf Knopfdruck Perfektion liefert. Sie ist eher wie ein talentierter Praktikant, der brillant formulieren kann – aber manchmal eben auch kompletten Unsinn erzählt. Und zwar mit einer Überzeugungskraft, die selbst gestandene Profis ins Wanken bringt.
In diesem Beitrag teile ich meine persönlichen Fehltritte mit dir. Warum? Damit du dir diese Umwege sparen kannst. Denn eines habe ich gelernt: KI verzeiht keine Denkfehler, aber sie belohnt Struktur und eine gesunde Portion Skepsis.
Das Wichtigste in Kürze
Kein blindes Vertrauen: KI simuliert Kompetenz wie ein Schauspieler seine Rolle. Eine brandaktuelle Studie aus der Schweiz und Deutschland zeigt: Selbst Top-Modelle wie Claude Opus 4.5 halluzinieren in rund 30 Prozent der Fälle [1]. Die fachliche Prüfung bleibt immer deine Aufgabe – oder die deines Teams.
Präzision ist Pflicht: Die Qualität deiner Anweisungen entscheidet über das Ergebnis. Forscher haben nachgewiesen: Fordert man die KI zu knapper Antwort auf, steigt die Fehlerrate messbar [2]. Ungenaue Prompts bedeuten oberflächlichen Output.
Datenschutz zuerst: Sensible Unternehmensdaten haben in öffentlichen KI-Modellen nichts verloren. Die kostenlose ChatGPT-Version ist für Unternehmen praktisch nicht DSGVO-konform nutzbar [3]. Das musste ich auch erst lernen.
Eigene Stimme bewahren: Nutze KI als Sparringspartner, aber behalte deinen Stil. Sonst liest sich alles gleich – und langweilig.
Fehler 1: Die Falle der „souveränen“ KI
Am Anfang war ich schlichtweg begeistert. Die Antworten wirkten strukturiert, logisch und rhetorisch brillant. Ich erinnere mich noch gut an einen Text über Digitalisierungsstrategien. Klang fantastisch. War auch fantastisch – fantastisch falsch, zumindest zu etwa 20 Prozent.
Das Problem: Die KI formuliert mit der Überzeugungskraft eines Top-Verkäufers. Auch wenn der Inhalt faktisch Nonsens ist. Forscher der EPFL, des ELLIS Institute Tübingen und des Max-Planck-Instituts haben das jetzt schwarz auf weiß: Mit ihrem Benchmark „Halluhard“ wiesen sie nach, dass selbst Top-Modelle wie Claude Opus 4.5 mit aktivierter Websuche noch in rund 30 Prozent der Fälle halluzinieren. GPT-5.2 Thinking liegt sogar bei 38,2 Prozent [1].
Das Gemeine daran: Die Fehlerrate steigt mit jeder weiteren Gesprächsrunde. Die Modelle bauen auf ihre eigenen früheren Fehler auf. Wie in einem schlechten Telefonspiel.
Einmal hatte ich eine Ausarbeitung ohne Gegenchecken direkt an einen Kunden weitergeleitet. Sie klang kompetent, war professionell formatiert – und enthielt drei gravierende Fehler. Im beruflichen Kontext kann das deine Glaubwürdigkeit pulverisieren. Schneller als du „Künstliche Intelligenz“ sagen kannst.
Mein Learning: KI ist ein Assistent, kein Fachexperte. Du trägst die letzte Verantwortung. Eine internationale EBU-Studie, an der auch ARD und ZDF beteiligt waren, bringt es auf den Punkt: 45 Prozent der KI-Antworten enthalten mindestens ein signifikantes Problem [4].
Fehler 2: Warum schlechtes Prompting Zeit frisst
Ich dachte am Anfang: „Die KI versteht schon, was ich meine.“ Pustekuchen. Wer unklar formuliert, bekommt Beliebigkeit zurück. So wie beim Kochen: Wenn du dem Koch nur „Mach mir was Leckeres“ sagst, kann alles rauskommen – von Sterneküche bis Dosenfraß.
Eine Giskard-Studie belegt das wissenschaftlich: Wenn KI-Modelle aufgefordert werden, knapp zu antworten, sinkt der Widerstand gegen Halluzinationen messbar [2]. Das Optimieren für bessere Nutzererfahrung geht auf Kosten der Richtigkeit. Verblüffend, oder?
Statt „Schreib mir etwas über Führung“ sage ich heute: „Schreibe einen 800-Wörter-Artikel für Teamleiter in kleinen Unternehmen über situative Führung. Ton: freundlich-professionell. Ziel: Praktische Tipps für den Arbeitsalltag.“
Mein Learning: Gute Führung beginnt beim Prompt. Je präziser deine Anweisung, desto besser das Ergebnis. Klingt banal, ist aber der Unterschied zwischen Frust und Flow.
Fehler 3: Datenschutz ist kein Randthema
Im Arbeitsalltag passiert es schnell: Du willst der KI „mehr Kontext“ geben und kopierst kurzerhand interne Zahlen oder Prozessdetails hinein. Habe ich auch gemacht. Bis mir ein befreundeter Datenschutzbeauftragter die Leviten gelesen hat.
Die Realität 2026: Die kostenlose ChatGPT-Version ist für Unternehmen praktisch nicht DSGVO-konform nutzbar, wenn personenbezogene Daten im Spiel sind [3]. OpenAI weist in seiner Datenschutzerklärung explizit darauf hin, dass übermittelte Daten zur Verbesserung der Dienste verwendet werden können – sofern du das nicht in den Einstellungen deaktivierst [5].
Eine Dataiku-Studie zeigt das ganze Ausmaß: 76 Prozent der deutschen Datenverantwortlichen berichten, dass sie im vergangenen Jahr mit geschäftlichen Problemen aufgrund von KI-Halluzinationen zu kämpfen hatten [6]. Die Kluft zwischen dem, was die Chefetage erwartet, und dem, was die Technik leistet, ist in Deutschland besonders groß.
Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung. Für den Einsatz von KI im Unternehmen solltest du dich immer mit deinem Datenschutzbeauftragten abstimmen. Ernsthaft.
Meine Faustregel heute: Keine Namen, keine Verträge, keine internen Kennzahlen. Was nicht auf die Titelseite der Zeitung darf, gehört nicht in die KI.
Was Unternehmen beachten müssen
Für die rechtssichere Nutzung von KI-Tools gibt es ein paar eiserne Regeln:
- Team-, API- oder Enterprise-Lizenzen nutzen: Nur diese Versionen bieten Auftragsverarbeitungsverträge (AVV) [3]
- Datenschutz-Einstellungen aktivieren: Deaktiviere die Nutzung deiner Daten zum Training der Modelle – ja, das geht!
- Pseudonymisierung: Verwende Platzhalter statt echter Namen. „Kunde A“ statt „Frau Müller von der Sparkasse“
- Nutzungsrichtlinien erstellen: Deine Mitarbeitenden müssen wissen, was erlaubt ist und was nicht. Ein zweiseitiges Dokument reicht oft schon
Fehler 4: Tool-Hopping statt Strategie
ChatGPT, Claude, Gemini, Perplexity – ständig ploppt ein neues Tool auf. Ich hatte zeitweise mehr KI-Accounts als E-Mail-Adressen. Und verlor wertvolle Zeit damit, das „beste“ Tool zu finden, statt mit einem einfach richtig gut zu werden.
Das ist wie beim Fotografieren: Es bringt nichts, ständig die Kamera zu wechseln, wenn du die Grundlagen nicht beherrschst. Lieber ein Tool wirklich kennenlernen als zehn oberflächlich bedienen.
Mein Learning: Nicht das Tool macht dich produktiv, sondern deine Struktur. Such dir eins aus, das zu deinen Anforderungen passt, und werde zum Profi damit.
Fehler 5: Wenn KI zum Zeitfresser wird
KI spart nicht automatisch Zeit. Im Gegenteil. Wenn du dich in endlosen Optimierungsschleifen verlierst, wird sie zur Zeitfalle. Ich habe mal einen Newsletter-Text fünfmal umschreiben lassen. Am Ende war die erste Version die beste. Zwei Stunden für nichts versenkt.
OpenAI erklärt in einer aktuellen Publikation auch warum: Halluzinationen entstehen, weil das Training der Modelle das Raten belohnt – nicht das ehrliche „Weiß ich nicht“ [7]. Die KI gibt lieber eine plausibel klingende Antwort als zuzugeben, dass sie überfragt ist.
Mein Learning: Frag dich bei jeder Überarbeitung: Ist das wirklich besser oder nur anders? Setze dir Zeitlimits. Wenn der dritte Durchgang keine echte Verbesserung bringt, lass es gut sein.
Fehler 6: Der Verlust der eigenen Handschrift
KI liefert glatte, gefällige Texte. Sauber strukturiert, grammatikalisch perfekt – und seelenlos. Wenn du diese Texte eins zu eins übernimmst, liest sich alles gleich. Deine Leser merken das. Schneller als du denkst.
Das Fraunhofer IESE warnt zudem: KI-Halluzinationen können in kritischen Bereichen wie der Medizin oder im Rechtssystem schwerwiegende Folgen haben [8]. In sensiblen Bereichen ist menschliche Prüfung nicht verhandelbar.
Ich nutze KI heute wie einen Ghostwriter für die erste Rohfassung. Das Grundgerüst kommt von der KI. Die Seele, die Anekdoten, die persönliche Note – die kommen von mir. Erst dann wird aus einem Text ein Text mit Charakter.
Die Lösung: Nutze KI für das Skelett, aber fülle es mit deinem Herzblut. Deine persönliche Perspektive ist das, was den Unterschied macht.
Fehler 7: KI unterschätzen und überschätzen
Ich habe die KI anfangs als reinen Textgenerator unterschätzt. „Ach, das kann ich auch selbst.“ Gleichzeitig habe ich sie überschätzt, indem ich ihr menschliches Urteilsvermögen zutraute. Beides sind klassische Anfängerfehler.
Forscher der Universität Glasgow bringen es auf den Punkt: Die Metapher der „Halluzination“ ist eigentlich irreführend. Sie weckt falsche Assoziationen. Besser wäre ein Begriff, der verdeutlicht, dass diese Fehler der internen Funktionsweise der KI geschuldet sind [9]. Die KI „halluziniert“ nicht – sie arbeitet genau so, wie sie gebaut wurde.
Mein Learning: KI ist ein leistungsfähiges Werkzeug – aber sie braucht einen wachen Geist, der sie steuert. Behandle sie weder als allmächtig noch als trivial. Irgendwo dazwischen liegt die Wahrheit.
Fazit: KI als Sparringspartner nutzen
Der größte Fehler wäre, KI aus Angst vor Fehlern gar nicht zu nutzen. Aber wer sie produktiv einsetzen will, braucht Klarheit und eine gesunde Portion Skepsis.
Die Zahlen sprechen für sich: 76 Prozent der deutschen Datenverantwortlichen hatten im vergangenen Jahr Probleme mit KI-Halluzinationen [6]. Gleichzeitig zeigt die Studie: 76 Prozent der deutschen Data Leaders berichten, KI-generierte Empfehlungen würden in ihren Unternehmen ernster genommen als die von Menschen. Ein Rekordwert weltweit.
Das zeigt die ganze Ambivalenz: KI ist mächtig. Sie kann verstärken, beschleunigen, skalieren. Aber sie verstärkt auch das, was du hineingibst. Unklarheit wird sichtbarer. Kompetenz wird skalierbarer. Mit den richtigen Strategien wird KI vom Risiko zum Wettbewerbsvorteil.
Deine Erfahrungen sind gefragt
Nun interessiert mich: Welche KI-Fehler hast du gemacht? Bist du in ähnliche Fallen getappt oder hast du ganz andere Erfahrungen gesammelt?
Lass uns in den Kommentaren darüber sprechen, wie wir alle besser werden können. Teile deine Learnings – denn aus den Fehlern anderer lernen wir am meisten.
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Ein dickes Dankeschön fürs Lesen!








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