Plötzlich kostet die Freundschaft Geld
Jahrelang war Facebook für uns alle selbstverständlich kostenlos. Wir haben Fotos geteilt, Freunde gefunden, Veranstaltungen organisiert – ohne einen Cent zu bezahlen. Doch seit Ende 2023 hat sich etwas grundlegend geändert. Meta, der Konzern hinter Facebook und Instagram, stellt uns vor eine Wahl: Entweder du zahlst monatlich für deinen Account, oder wir nutzen deine Daten noch intensiver als bisher.
Ehrlich gesagt hat mich das ziemlich überrascht. Nach fast zwanzig Jahren, in denen das Motto „Facebook ist und bleibt kostenlos“ galt, kommt jetzt die Kehrtwende. Und die hat es in sich.
Zusammenfassung für Eilige
- Meta bietet seit November 2023 ein Bezahl-Abo an: 9,99 € (Web) bzw. 12,99 € (App) pro Monat für werbefreie Facebook- und Instagram-Nutzung
- Mehrere Accounts werden teuer: Jeder weitere Account kostet zusätzlich 6 € (Web) bzw. 8 € (App) monatlich
- Wer nicht zahlt, stimmt intensiverer Datennutzung zu: Facebook wertet dann Aktivitäten auf der Plattform und externen Websites für personalisierte Werbung aus
- EU-Kommission prüft das Modell: Datenschützer kritisieren, dass Grundrechte nicht käuflich sein sollten
- Alternativen existieren: Werbe-Einstellungen anpassen, Browser-Erweiterungen nutzen oder Plattform-Wechsel erwägen
Wie ich auf das neue Modell aufmerksam wurde
Vielleicht ging es dir ähnlich: Beim Einloggen tauchte plötzlich diese Meldung auf. „Wähle, wie du Facebook nutzen möchtest“ – klingt erst mal harmlos. Dahinter steckt aber eine knallharte Entscheidung: Entweder du zahlst 9,99 Euro im Monat (bei Buchung über die Website) oder 12,99 Euro (über die App), oder du akzeptierst, dass Facebook deine Daten noch umfassender für Werbezwecke nutzt.
Für mich war das ein Moment zum Innehalten. Ist das wirklich eine freie Wahl? Oder ist es eher: Zahl oder wir machen mit deinen Daten, was wir wollen?
- 1.Frage
- Die Erklärung
- Das kostet es dich
Das ist noch die günstige Variante, da ich Anfang Januar 2026 meinen zweiten Instagram-Account beendet und zwei weitere Facebook-Seiten entfernt habe.
Was Facebook jetzt von uns verlangt
Die Preise haben es in sich, besonders wenn du nicht nur einen Account hast. Viele von uns führen ja mehrere Profile – vielleicht einen privaten Account, dazu eine Business-Seite oder eine Seite für ein Hobby-Projekt.
Die Kostenübersicht im Detail:
- Hauptaccount: 9,99 € monatlich (Web) oder 12,99 € (iOS/Android-App mit Store-Gebühr)
- Jeder weitere Account: + 6 € (Web) oder + 8 € (App) pro Monat
- Gilt automatisch für: Facebook UND Instagram (beide Plattformen im Paket)
Ich habe mir das durchgerechnet und ehrlich gesagt geschluckt. Wer drei Accounts pflegt – etwa privat, Business und ein Projekt – zahlt im günstigsten Fall 21,99 Euro monatlich. Für einen Blog wie stawi.net, der neben dem privaten Account auch eine Facebook-Seite betreibt, summiert sich das ganz schön.
Warum macht Facebook das überhaupt?
Der Grund liegt in Europa – genauer gesagt beim Europäischen Gerichtshof. Der hat im Juli 2023 entschieden, dass Meta personalisierte Werbung nicht mehr einfach als „Gegenleistung“ für einen kostenlosen Dienst durchsetzen darf. Nutzer müssen eine echte Wahl haben – und diese Wahl muss den Anforderungen der DSGVO entsprechen.
Metas Antwort darauf ist dieses Abo-Modell, offiziell „Abonnement ohne Werbung“ genannt. Aus Sicht des Konzerns ist das die Lösung: Du kannst ja wählen – entweder Geld oder Daten. Nur fühlt sich diese Wahl für viele nicht wirklich frei an.
Die EU-Kommission sieht das ähnlich kritisch. Seit Juli 2024 läuft ein formelles Verfahren gegen Meta. Der Vorwurf: Das „Pay or Okay“-Modell stelle keine echte Wahlfreiheit dar, sondern zwinge Nutzer faktisch zur Einwilligung in umfassende Datennutzung. Datenschützer sprechen davon, dass Grundrechte nicht käuflich sein dürften.
Was passiert, wenn du nicht zahlst?
Hier wird es unangenehm. Wer das Abo nicht abschließt, muss der erweiterten Datennutzung zustimmen. Und die hat es in sich.
Facebook wertet dann aus:
- Alle Aktivitäten auf Facebook und Instagram (Likes, Kommentare, geteilte Inhalte, Verweildauer)
- Deine Interaktionen mit Werbung (Klicks, Käufe, ausgefüllte Formulare)
- Daten von Meta-Partnern (Websites und Apps mit Facebook-Pixel oder Meta-SDK)
- Geräte- und Standortinformationen
- Kontakte, mit denen du interagierst
Diese Daten werden zu einem hochpräzisen Werbeprofil zusammengesetzt, das Meta an zahlende Werbetreibende verkauft. Die Algorithmen lernen kontinuierlich, welche Inhalte dich am längsten auf der Plattform halten – und spielen entsprechend mehr personalisierte Werbung aus.
Einige Nutzer berichten auch, dass ihre organischen Beiträge – also Posts ohne bezahlte Werbung – seit Einführung des Bezahl-Modells deutlich weniger Reichweite bekommen. Ob das Zufall ist oder System, hat Meta nie offiziell bestätigt. Aber es fühlt sich manchmal so an, als würde Facebook sagen: „Wenn du nicht zahlst, spielen wir deine Inhalte eben nicht mehr so prominent aus.“
Dass dies so ist, würde ich glatt bestätigen. Beiträge von stawi.de oder anderen Seiten, die ich auf Facebook verbreite, werden heute deutlich weniger wahrgenommen als vor 2023.
Meine eigenen Überlegungen
Ich habe mir die Frage gestellt: Lohnt sich das Abo für mich? Ehrlich gesagt bin ich noch unentschieden. Für den privaten Account wären 9,99 Euro im Monat vielleicht noch überschaubar – wenn ich Facebook wirklich intensiv nutzen würde. Aber mit mehreren Accounts wird es schnell teuer.
Gleichzeitig ärgert mich der Gedanke, dass ich jetzt Geld dafür zahlen soll, dass meine Daten nicht so intensiv ausgewertet werden. Das fühlt sich irgendwie falsch an. Als würde man für etwas bezahlen müssen, das eigentlich ein Grundrecht sein sollte.
Wann das Abo sinnvoll sein könnte:
- Dir ist Datenschutz sehr wichtig und du bist bereit, dafür zu zahlen
- Du verbringst viel Zeit auf Facebook/Instagram und empfindest Werbung als störend
- Du nutzt nur einen einzigen Account (dann bleiben die Kosten überschaubar)
- Du möchtest Facebook langfristig intensiv nutzen
Wann sich das Abo vermutlich nicht lohnt:
- Du betreibst mehrere Accounts (Kosten steigen schnell auf 20+ Euro)
- Du nutzt Facebook nur gelegentlich oder sporadisch
- Du akzeptierst Werbung als „Preis“ für kostenlose Nutzung
- Du überlegst ohnehin, die Plattform zu wechseln
Was du tun kannst, wenn du nicht zahlen möchtest
Falls du dich gegen das Abo entscheidest, gibt es trotzdem ein paar Möglichkeiten, deine Datennutzung etwas einzuschränken. Vollständigen Datenschutz bekommst du damit zwar nicht, aber immerhin kannst du die Datensammlung reduzieren.
Praktische Schritte für mehr Datenschutz:
- Werbe-Einstellungen anpassen: Gehe zu Einstellungen > Werbung und schränke das Tracking von Partner-Websites ein
- Browser-Erweiterungen nutzen: Tools wie uBlock Origin oder Privacy Badger blockieren Facebook-Pixel auf externen Websites
- App-Tracking deaktivieren (iOS): In den iPhone-Einstellungen kannst du der Facebook-App das Tracking verweigern
- Bewusster mit Daten umgehen: Teile weniger persönliche Informationen – je weniger Daten vorhanden sind, desto ungenauer wird dein Profil
- Externe Links vermeiden: Klicke auf Facebook möglichst wenig auf externe Links, die getracked werden können
Wer wirklich konsequent sein will, müsste sich ehrlich gesagt überlegen, ob Facebook noch das richtige Netzwerk ist – oder ob es Zeit wird, zu Alternativen wie Mastodon, Bluesky oder anderen datenschutzfreundlicheren Plattformen zu wechseln. Dien beiden genannten mag ich persönlich erste einmal nicht, werde mich dazu jedoch noch einmal damit in Zukunft befassen.
Kritik von Datenschützern und Verbraucherschutz
Die Bundesdatenschutzbeauftragte bezeichnete das Modell als „problematisch“, da es finanziell schwächere Nutzer benachteilige. Wer sich das Abo nicht leisten kann oder will, wird faktisch gezwungen, in umfassende Datennutzung einzuwilligen.
Verbraucherschützer fordern, dass es kostenlose UND datensparsame Alternativen geben müsse. Die aktuelle Lösung von Meta sei eine Art „Bezahlung für Grundrechte“ – und genau das widerspreche dem Geist der Datenschutz-Grundverordnung.
Marketing-Experten sehen das Modell pragmatischer: Sie halten die Monetarisierung für einen logischen Schritt, warnen allerdings vor Nutzerabwanderung zu Plattformen wie TikTok, Threads oder anderen aufstrebenden sozialen Netzwerken.
Meine persönliche Entscheidung: Distanzierung von Meta
Für mich steht nach reiflicher Überlegung fest: Ich werde das Abo nicht abschließen. Stattdessen werde ich meine Nutzung von Facebook und Instagram weiter stark einschränken und mich aktiv von Meta distanzieren.
Diese Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen. Schließlich habe ich über Jahre hinweg Kontakte geknüpft, Veranstaltungen organisiert und Inhalte geteilt. Aber genau dieses Bezahl-Modell hat mir klargemacht, in welche Richtung sich Meta entwickelt – und das ist nicht die Richtung, die ich mitgehen möchte.
Mir geht es dabei nicht nur ums Geld. Ich zahle durchaus für Dienste, die mir wichtig sind und die meine Daten respektieren. Aber hier zahle ich dafür, dass meine Grundrechte respektiert werden. Das fühlt sich wie Erpressung an.
Deshalb werde ich in Zukunft:
- Facebook nur noch sehr sporadisch nutzen – hauptsächlich für die Blog-Seite von stawi.net
- Keine persönlichen Inhalte mehr teilen, die Meta für Werbeprofile nutzen könnte
- Mich verstärkt auf andere Kanäle konzentrieren – etwa diesen Blog, Newsletter oder datenschutzfreundlichere Alternativen
- Die Plattformen aktiv beobachten, wie sich das Modell entwickelt – und notfalls komplett aussteigen
Ich weiß, dass das für viele keine Option ist. Manche sind beruflich auf Facebook angewiesen, andere haben dort ihre einzigen sozialen Kontakte. Das respektiere ich vollkommen. Aber für mich persönlich ist diese Grenze erreicht.
Mein Fazit
Dieses Bezahl-Modell ist für mich ein Wendepunkt. Facebook war immer das Netzwerk, das uns alle verbunden hat – kostenlos und für jeden zugänglich. Jetzt steht plötzlich eine Bezahlschranke im Raum. Oder eben die Konsequenz, dass unsere Daten noch intensiver genutzt werden als ohnehin schon.
Was mir klar geworden ist: Diese Entscheidung betrifft uns alle. Sie zeigt, wie sich das Internet verändert – von einem offenen, weitgehend kostenlosen Raum hin zu einem, in dem du entweder zahlst oder mit deinen Daten bezahlst. Beides hat seinen Preis.
Für mich bedeutet das: Ich ziehe die Konsequenzen und reduziere meine Meta-Präsenz auf ein Minimum. Vielleicht ist es auch Zeit, dass wir uns alle wieder bewusster machen, wo und wie wir online kommunizieren – und ob uns diese Plattformen wirklich noch guttun.
Wie siehst du das?
Hast du das Abo abgeschlossen oder nutzt du Facebook weiter kostenlos? Ziehst du ebenfalls Konsequenzen? Ich bin gespannt auf deine Meinung.
Weiterführende Informationen
Offizielle Quellen:
Gerichtsurteile und Behörden-Entscheidungen:
- EuGH-Urteil C-252/21 vom 4. Juli 2023 – Meta Platforms vs. Bundeskartellamt (Grundsatzurteil zu Datennutzung und Werbung)
- EuGH Pressemitteilung zum Urteil C-252/21 (deutsche Zusammenfassung, PDF)
- EU-Kommission: Vorläufige Feststellung vom 1. Juli 2024 – Meta verstößt mit „Pay or Okay“-Modell gegen DMA
- EU-Kommission Pressemitteilung IP/24/3582 – Offizielle Stellungnahme zum Meta-Verfahren
- EU-Kommission verhängt 200 Mio. € Strafe gegen Meta (April 2025) – Zusammenfassung der Entscheidung
Verbraucherschutz & Datenschutz:
- Verbraucherzentrale NRW: Klagen gegen Meta-Abo-Modell (aktuelle Rechtslage und Verfahren)
- Hamburgischer Datenschutzbeauftragter: Einordnung des EuGH-Urteils (PDF, detaillierte Analyse)
- Bundesdatenschutzbeauftragte – Offizielle Stellungnahmen zum Meta-Abo-Modell
Aktuelle Preisinformationen:
- Verbraucherzentrale Niedersachsen: Meta-Abo-Modell im Überblick (Stand Februar 2026: 5,99 € bzw. 12,99 € monatlich)
- Meta: Hilfebereich zum Abonnement ohne Werbung (offizielle Informationen)











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