Was gute KI-Anweisungen mit Mitarbeiterführung gemeinsam haben
Dem einen oder anderen ist es vielleicht bekannt: Seit etwa zwei Jahren arbeite ich intensiver mit KI. Anfangs dachte ich noch, das sei eine rein technische Sache. Schnell den richtigen Befehl eingeben, schon kommt das perfekte Ergebnis. Pustekuchen.
Denn mir ist etwas aufgefallen: Die Qualität der Ergebnisse hängt fast nie von der KI ab. Sie hängt von der Qualität meiner Anweisung ab.
Und genau da wurde es interessant. Denn plötzlich hatte ich ein Déjà-vu. Genauso ist es in der Führung.
Wenn Mitarbeitende unklare Aufgaben bekommen, entstehen mittelmäßige Ergebnisse. Wenn Ziele nicht definiert sind, wird interpretiert. Wenn Kontext fehlt, entstehen Missverständnisse. KI macht das nur gnadenlos sichtbar.
Eine aktuelle Studie von Resume Now zeigt: 97 Prozent der Beschäftigten wandten sich 2025 mindestens einmal an ChatGPT statt an ihre Vorgesetzten [6]. Noch bemerkenswerter: 72 Prozent gaben an, von der KI bessere Ratschläge erhalten zu haben als von ihrer Führungskraft. Fast die Hälfte empfand die KI sogar als emotional unterstützender.
Das sollte uns alle nachdenklich stimmen.
Zusammenfassung für Eilige
Rolle klären: Ohne klare Rollendefinition produziert KI – wie Mitarbeitende – mittelmäßige Ergebnisse. Wer verantwortlich ist, muss klar sein.
Ziel definieren: KI arbeitet zielorientiert – aber nur, wenn du das Ziel vorgibst. Unklare Ziele führen zu unnötigen Korrekturschleifen.
Kontext geben: Ohne Rahmen bleibt alles oberflächlich. Je mehr Hintergrundinformationen, desto präziser das Ergebnis – bei KI wie bei Menschen.
Verantwortung bleibt menschlich: KI kann unterstützen, beschleunigen, strukturieren. Aber sie entscheidet nicht. Die Führungsverantwortung bleibt bei dir.
1. Rolle klären – oder: Wer soll eigentlich arbeiten?
Ein häufiger Fehler beim Prompting: „Schreib mir einen Artikel über Führung.“
Was kommt zurück? Ein allgemein gehaltener Text ohne klare Zielrichtung. Warum? Weil keine Rolle definiert wurde.
Sobald ich präzisiere: „Schreibe als erfahrene Führungskraft im Mittelstand einen praxisnahen Blogartikel für Entscheider“ … verändert sich alles. Die KI weiß, aus welcher Perspektive sie denken soll.
Und genau das gilt auch im Unternehmen. Wenn du nicht klar sagst, wer verantwortlich ist, welche Rolle jemand einnimmt, welche Entscheidungskompetenz besteht – dann entstehen Reibungsverluste.
Mein Learning: Führung heißt, Rollen klar zu definieren. Gutes Prompting auch.
2. Ziel definieren – ohne Ziel keine Richtung
KI arbeitet zielorientiert. Aber nur, wenn du das Ziel vorgibst. Ein Unterschied wie Tag und Nacht:
Schlecht: „Erstelle eine Präsentation über Prozessoptimierung.“
Besser: „Erstelle eine strukturierte Präsentationsgliederung für eine 20-minütige Management-Vorstellung zur Prozessoptimierung im infrastrukturellen Facility Management mit Fokus auf Kostenreduktion und Qualitätssicherung.“
Plötzlich ist die Richtung klar. Ich erinnere mich noch gut an ein Projekt, bei dem ich genau diesen Fehler machte. Ich gab der KI einen vagen Auftrag – und bekam eine vage Antwort. Drei Korrekturschleifen später war ich frustriert. Bis mir klar wurde: Das Problem war nicht die KI. Das Problem war meine Anweisung.
In der Führung ist es identisch. Wenn Mitarbeitende wissen, warum sie etwas tun, was das konkrete Ergebnis sein soll und woran Erfolg gemessen wird – dann steigt die Qualität automatisch.
Jörg Kuntz beschreibt in seinem LinkedIn-Artikel treffend: Prompting ist das neue Delegieren [1]. Und gutes Delegieren beginnt immer mit einem klaren Ziel.
Mein Learning: Unklare Ziele führen zu unnötigen Korrekturschleifen. Bei KI wie bei Menschen.
3. Kontext geben – ohne Rahmen keine Qualität
Einer der größten Aha-Momente beim Arbeiten mit KI: Kontext entscheidet über Tiefe.
Wenn ich der KI nur eine Aufgabe gebe, bleibt sie oberflächlich. Wenn ich Hintergrundinformationen liefere – Branche, Zielgruppe, Rahmenbedingungen – wird das Ergebnis deutlich präziser.
Beispiel: „Unser Unternehmen ist im infrastrukturellen Gebäudemanagement tätig, arbeitet im Mittelstandsumfeld und steht vor steigenden Personalkosten. Berücksichtige diese Rahmenbedingungen.“
Das Resultat ist sofort praxisnäher. Und jetzt Hand aufs Herz: Wie oft erwarten wir von Mitarbeitenden exzellente Ergebnisse – ohne ihnen ausreichend Kontext zu geben?
Stephan F. Wagner stellt in seinem LinkedIn-Beitrag die richtigen Fragen: Was haben GPT-Prompts mit Mitarbeiterführung gemeinsam? [2] Seine Antwort: Beide brauchen Kontext, um ihr Potenzial zu entfalten.
Führung bedeutet: Zusammenhänge erklären, Rahmenbedingungen transparent machen, Hintergründe teilen. KI zwingt uns, präzise zu sein. Im Unternehmen wäre das genauso sinnvoll.
Mein Learning: Ohne Kontext bleibt alles an der Oberfläche.
4. Erwartungshaltung formulieren – Qualität ist kein Zufall
Wenn ich schreibe: „Schreib einen Text“ – bekomme ich irgendeinen Text.
Wenn ich schreibe: „Schreibe klar, direkt, ohne Marketingfloskeln, praxisnah und strukturiert“ – bekomme ich genau das.
Erwartungen müssen formuliert werden. Viele Führungskräfte gehen davon aus, dass Qualitätsstandards selbstverständlich sind. Sind sie nicht.
Alexander Pokorny erklärt in seinem Blog, wie wichtig positive Anweisungen sind [3]. Statt zu sagen, was nicht sein soll, formuliere klar, was du erwartest. KI ist dafür ein perfektes Vorbild.
Wie soll das Ergebnis aussehen? Welches Format wird erwartet? Welche Tiefe ist notwendig? Welche Tonalität ist gewünscht?
Margot Goverts zeigt in ihrer LinkedIn-Analyse: Strukturierte Prompts führen zu einem Qualitätssprung – nicht nur bei KI, sondern auch in der Teamkommunikation [5].
Mein Learning: Je klarer die Erwartung, desto besser das Ergebnis. Das gilt für KI genauso wie für Menschen.
5. Feedback-Schleifen – Iteration statt Perfektion
Kein Prompt ist perfekt. Ich optimiere. Ich präzisiere. Ich schärfe nach. Und genau das ist Führung im Alltag.
Ergebnisse entstehen selten beim ersten Versuch. Aber sie werden besser durch konstruktives Feedback. Wichtig ist dabei: Feedback ist kein Korrigieren. Feedback ist ein gemeinsames Schärfen.
Bei KI ist das sichtbar: „Gehe tiefer auf Punkt 3 ein.“ „Formuliere prägnanter.“ „Stärker auf Entscheider ausrichten.“
Im Team funktioniert es genauso. Nur reden wir dort oft zu wenig klar. Wir drucksen rum, verpacken Kritik in Watte und wundern uns, warum sich nichts ändert.
Mein Learning: Klares Feedback ist kein Angriff. Es ist Respekt.
6. Verantwortung bleibt beim Menschen
Ein entscheidender Unterschied: KI trägt keine Verantwortung. Wenn das Ergebnis falsch ist, wenn eine Entscheidung fehlerhaft ist, wenn ein Text unpassend formuliert ist – dann liegt die Verantwortung bei mir.
Und das ist ein wichtiger Gedanke für Führung. Delegation bedeutet nicht Verantwortung abgeben. Ob Mensch oder Maschine – die Führungsverantwortung bleibt bei dir.
Sarah Potempa beschreibt in ihrem Blog-Artikel genau dieses Prinzip: Was du von KI über Führung lernen kannst [4]. KI zeigt uns, wo Führung endet und Verantwortung beginnt.
KI kann unterstützen. Sie kann beschleunigen. Sie kann strukturieren. Aber sie entscheidet nicht. Und das ist auch gut so.
Mein Learning: Verantwortung lässt sich nicht outsourcen.
7. KI als Spiegel der eigenen Führungsqualität
Das vielleicht Spannendste: KI zeigt dir schonungslos, wie klar du wirklich kommunizierst.
Unklare Anweisung → unklarer Output. Halbe Information → halbe Qualität. Fehlende Struktur → chaotisches Ergebnis.
Die Maschine ist nicht das Problem. Die Frage ist: Wie klar bin ich selbst?
Wer sauber promptet, denkt sauber. Wer strukturiert anweist, denkt strukturiert. Wer präzise formuliert, führt präzise.
KI wird damit zu einem Trainingsfeld für Führung. Ein ehrlicher Sparringspartner, der keine Rücksicht auf mein Ego nimmt. Und genau das brauchen wir manchmal.
Mein Learning: KI ist ein Spiegel. Und manchmal tut die Wahrheit weh.
Fazit
Gutes Prompting ist keine Technikfrage. Es ist eine Frage von Klarheit, Struktur, Zielorientierung und Verantwortungsbewusstsein. Alles Eigenschaften guter Führung.
Vielleicht ist das der eigentliche Mehrwert von KI: Sie zwingt uns, präziser zu denken. Und das ist keine technologische Fähigkeit – sondern eine Führungsqualität.
Die Zahlen sind eindeutig: Wenn 97 Prozent der Mitarbeitenden lieber eine KI fragen als ihre Führungskraft [6], dann ist das kein KI-Problem. Dann ist das ein Führungsproblem.
Oder eine riesige Chance. Denn KI zeigt uns, wo wir besser werden können. Als Führungskräfte. Als Kommunikatoren. Als Menschen.
Was denkst du?
Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht? Siehst du Parallelen zwischen gutem Prompting und guter Führung? Oder denkst du, der Vergleich hinkt?
Lass uns in den Kommentaren darüber sprechen. Ich bin gespannt auf deine Perspektive.
Ein dickes Dankeschön fürs Lesen!








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